Sehe ich dick aus?

Kennst du das? Der Reißver­schluss am Lieblingskleid klemmt – und reißt. Das ist der Beweis: Man ist zu fett! Wer immer auch so von sich selb­st denkt, hat nicht zu viel auf den Hüften, son­dern ein angekratztes Ego.

Ganz ehrlich, wie viele Beziehun­gen sind schon an der Frage gescheit­ert: „Schatz, bin ich zu dick?“

Sie ist eine der gefürchtet­sten Frage in ein­er Beziehung. Denn wie soll ein Part­ner auf diese Frage antworten? Egal was er sagt – die Antwort ist immer falsch.

Nein Sugar, du siehst gut aus!

Sagt er „nein, Du siehst gut aus!“ wis­sen wir instink­tiv, dass er uns schme­icheln möchte, aber heim­lich etwas ganz anderes denkt. Sagt er „Ja, stimmt.“ Ist der Abend eben­falls ver­saut, weil er so wenig Tak­t­ge­fühl hat und früher liebevoller war.

Wer Glück hat, find­et einen Part­ner, Fre­und oder Ehe­mann, der diese Frage zu ignori­eren lernt. So dass wir ihn mit diesen Anflug von Panik nicht mehr erschüt­tern kön­nen. Den meis­ten ist es wahrschein­lich gar nicht bewusst, doch tat­säch­lich set­zen wir unsere Part­ner mit dieser irrealen und unbeant­wort­baren Frage jedes Mal neu unter Strom.

Die Geheimsprache der Verzweifelten

Die Ich-bin-zu-dick-Sprache ist den meis­ten Frauen nicht bewusst, aber ver­traut. Sie tuscheln mit ihren Fre­undin­nen, schreien ihren Part­ner darin an und sprechen jeden, der ihnen zuhört, mit dieser Sprache an.

Die Fra­gen „Sehe ich  dick aus?“ oder auch „Bin ich zu dick?“ gel­ten als Begrüßung, Frage, Anrede oder Appell. Sie dienen dazu, nach Unter­stützung zu rufen, wenn man sich Kon­takt wün­scht.

Wenn man sich wirk­lich inten­siv mit dieser Frage beschäftigt, und sich fragt, weshalb man sie über­haupt stellt, kommt man irgend­wann zu dem Schluss, dass sie eigentlich etwas ganz anderes bedeuten:

Eigentlich geht es darum, die Angst zu ver­drän­gen. Angst davor, nicht akzep­tiert zu wer­den. Angst davor, nicht gut genug zu sein. Es ist eine kleine Stimme im Kopf, die ver­sucht einem einzure­den, dass man mehr gemocht wer­den würde, wenn man dün­ner wäre. Gle­ichzeit­ig sieht man sich selb­st als die per­fek­te Unper­fek­tion. Näm­lich unvol­lkom­men, nervös und ungeliebt. Man wäre lieber jemand anders, weil das eigen Selb­st zu sein, reicht nicht aus.

Die Geheimsprache der Körperhasser-Sippe

Wenn man genau hin­hört, kann man die „Geheim­sprache“ der „Zu-Dick­en“ über­all hören. Sie benutzen eine Sprache, die sie jedem, der ihnen in den Weg kommt, laut ent­ge­gen­schreien.  Wenn Du genau hin­hörst, kannst Du sie auch erken­nen. Sie alle sind Mit­glieder der „Kör­per­has­s­er-Sippe“. Viel von ihnen merken gar nicht, dass sie das tun, denn das Rit­u­al der eige­nen Abw­er­tung ist so tief in unserem All­t­ag ver­wurzelt, dass viele von ihnen total unzufrieden mit sich selb­st sind, aber noch nicht ein­mal wis­sen, weshalb.

Diejeni­gen, die ler­nen wollen, diese Geheim­sprache zu erken­nen, sind auf der richti­gen Spur, wenn sie fol­gende Sit­u­a­tio­nen erleben:

  • Ein zwölfjähriges Mäd­chen, das an sein­er Hose zupft, und sich hässlich fühlt, weil ihr Bauch über den Bund hängt. Sie fragt sich, ob sie jemals so dünn sein wird, wie die beliebten Mäd­chen.
  • Der Fre­und, der jeden Abend eine Stunde Sit-ups macht, weil er nicht mit seinem angriff­s­lusti­gen Chef klarkommt, den er jeden Tag im Büro tre­f­fen muss.
  • Die Pow­er­frau aus der Chefe­tage, die ihr Spiegel­bild sieht und sich vorn­immt, am Mon­tag wieder ein­mal mit ein­er Diät zu begin­nen.
  • Die Mut­ter, die ihre Tochter anschre­it, weil diese Brot isst, während die ganze Fam­i­lie eine kohlen­hy­drat­freie Diät macht
  • Die hüb­sche, schlanke Frau, die jeden fragt, ob sie zu dick ist, weil sie nicht weiß, wie sie ihr Bedürf­nis nach Anlehnung, Wärme und Bindung son­st kom­mu­nizieren soll.
  • Die Lehrerin, die den ganzen Tag hun­grig bleibt, weil sie sich kein Pausen­brot mit in die Schule nimmt.
  • Die Fre­undin­nen, die zur Begrüßung sagen: „Du siehst toll aus. Hast du abgenom­men?“
  • Deine beste Fre­undin, die immer für dich da ist und eine Schul­ter zum Anlehnen hat, aber von sich denkt, dass ihre Schul­tern, Arme und der Rest ihres Kör­pers zu dick sind, um zurück­geliebt zu wer­den.

Wenn du diese Sprache erkennst, dann hast du schon einen ersten Schritt getan, dich von diesem neg­a­tiv­en Selb­st­ge­fühl zu befreien. Die Ich-bin-zu-dick-Sprache ist zer­störerisch, weil sie den Selb­st­wert unter­gräbt. Es ist unsin­nig seinen Wert auf der Badez­im­mer­waage oder an der Klei­der­größe zu bes­tim­men.

Die Sprache wird den meis­ten Frauen bere­its als kleines Mäd­chen beige­bracht, indem sie auf ihr Ausse­hen reduziert wer­den. Bere­its im Kinder­garten, spätestens jedoch in der Schule während der Pubertät scheint es für Mäd­chen kein anderes The­ma mehr zu geben, als schlank zu sein.

Wenn Du diese Sprache an dir selb­st ent­deckst, dann bedeutet das nicht: „beachte mich!“ Son­dern ist ein Hil­feschrei: „Bitte hilf mir, irgend­was geht in meinem Leben schief. Ich füh­le mich beschissen. Wert­los. Hoff­nungs­los. Verängstigt. Über­fordert. Ver­wirrt.“

fehlende Leidenschaft, Sehnsucht nach Liebe und zu wenig Selbstbewusstsein. 

Es kann aber auch der Schrei nach Aufmerk­samkeit sein. „Ich mochte unbe­d­ingt geliebt wer­den, ich brauche deine Anerken­nung.“

Es kann aber auch ein Ver­such sein,  ich anzu­passen: „Ich möchte Deine Fre­undin sein, ich bin genau wie du, ver­traue mir!“

Du siehst die Frage „Bin ich zu dick?“ kann Hun­derte Dinge bedeuten, doch immer steckt dahin­ter der Aus­druck von zu wenig Selb­st­wert. Der Satz hin­ter­lässt Mil­lio­nen Frauen, die mit ihrem Leben unzufrieden sind, und er wirkt auf Mil­lio­nen Män­ner und beste Fre­undin­nen, die gezwun­gen wer­den, sich mit ein­er unbeant­wort­baren Frage auseinan­der zu set­zen.

Denn eines ist doch klar. Wer sich über seinen Bauch oder seine Ober­schenkel ärg­ert, hat Wider­willen gegen seinen ganzen Kör­p­er. Und das Ver­hält­nis, das man zu seinem Kör­p­er hat, bee­in­flusst das ganze Leben. Es hat Ein­fluss auf die Gesund­heit, die finanzielle Sit­u­a­tion, die Fam­i­lie, die Beziehun­gen und die Kar­riere.

Es geht nicht darum, ob man sich für seine Brüste schämt oder seine Nase oder sein Kinn. „Bin ich zu dick?“ ist eine Frage, mit der wir etwas ganz anderes aus­drück­en wollen: fehlende Lei­den­schaft, Sehn­sucht nach Liebe und zu wenig Selb­st­be­wusst­sein.

 

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